Rundschreiben

Liebe Kolleginnen und Kollegen,                                       Braunschweig, 10.08.2020

Corona hält uns Hausärzte und die Welt in Atem. Mit diesem Rundschreiben möchten wir Ihnen einen Überblick zur aktuellen Lage und den wichtigsten berufspolitischen Themen geben.

 

Corona-Abstriche für Reiserückkehrer

Leider erleben wir derzeit chaotische Zustände. Am Freitagnachmittag werden Beschlüsse in Berlin gefasst, die am nächsten Morgen gelten und von uns umgesetzt werden sollen. Man gewinnt den Eindruck, dass die Entscheider im BMG sich immer mehr von den Realitäten, den Sorgen der Menschen und der Arbeit in unseren Praxen entfernen. Wir sind für die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten mit akuten Beschwerden bzw. chronischen Krankheitsbildern da und nicht für unkoordinierte „Wunsch-Abstriche“ von Reiserückkehrern zu Dumpingpreisen. Dies haben wir politisch auf Bundes- und Landesebene deutlich dargelegt und gegenüber der Presse vielfältig dargestellt (z.B. Braunschweiger Zeitung, Hannoversche Allgemeine). Unabhängig von der lächerlichen Vergütung für den Abstrich wollen wir potentiell infektiöse Patienten nicht wieder in den Praxen haben. Völlig realitätsfremd darf neben dem Abstrich keinerlei weitere ärztliche Tätigkeit durchgeführt und abgerechnet werden, also auch der mitgebrachte Fußpilz darf am gleichen Tag keinen Ordinationskomplex auslösen?! Für 15 EUR kann keine Terminvereinbarung, Durchführung des Abstriches, Ausfüllen von Laboranforderungen, monatliche Abrechnung über improvisierte Excel-Tabellen und Zettelwirtschaft, Befundmitteilung an den Patienten, Ausstellung eines Attestes und Beratung des Patienten erfolgen. Wie in unserem Rundschreiben im Juni dargelegt, fordern wir knapp 50 EUR pro Abstrich in der Arztpraxis, um diesen wirtschaftlich zu erbringen.

In Anbetracht der mangelhaften Honorierung und des Verbotes der Abrechnung von zusätzlichen Leistungen (die wohl regressiert würden) gehen wir davon aus, dass in der normalen Hausarztpraxis bei Reiserückkehrern folgender Regelbetrieb eintreten wird:

  • Patient kommt in die Arztpraxis, Originalschein wird angelegt, Abklärung und Abrechnung ob Infekt vorliegt (ggf. am Tresen/ vor der Tür)
  • bei Vorliegen von Infekt-Symptomen: Durchführung von Abstrich mit Eingabe von 88240 und 32006 gemäß RKI-Schema
  • bei Infekt-Freiheit: Infekt-Ausschluss mit entsprechender Abrechnung und Verweis an die Abstrichzentren.

Noch ist der Weg ins Abstrichzentrum an der Petrikirche über uns Hausärzte (nach abgerechneten Infekt-Ausschluss), ab nächster Woche soll eine Direktbuchung durch die Reisenden möglich sein. Die Refinanzierung der Testzentren ist bisher nicht gesichert, was wiederum zeigt, dass die Verordnung mit „heißer Nadel“ gestrickt wurde.

Rettungsschirm KVN

Noch sind die coronabedingten Honorareinbußen für uns Hausärztinnen und Hausärzte in der Abrechnung für das 1. Quartal für die meisten von uns wenig spürbar, was sich mit dem 2. Quartal jedoch deutlich ändern wird. Deshalb haben wir uns als Hausärzteverbände Niedersachsen und Braunschweig bei der KVN für einen Corona-Rettungsschirm eingesetzt, der sowohl pandemiebedingte Umsatzrückgänge als auch eine Leistungszulage für „Corona-Versorgerpraxen“ berücksichtigt. Zum Verhandlungsergebnis zwischen KVN und Kassen können wir Ihnen mitteilen, dass der Rettungsschirm mindestens 85% des Vorjahresquartalsumsatzes in Niedersachsen für uns Hausärzte garantiert, soweit eine Fallzahlabsenkung und eine Umsatzminderung von mehr als 10% vorliegt. In einigen Fällen wird jedoch nach unserem Verständnis durch neu geschaffene Leistungszuschläge ein darüber hinaus gehendes Honorar erreicht werden, bsw. durch eine Nachvergütung für alle Corona-Leistungen (88240) mit der nächsten Quartalsabrechnung. Es bleibt zu hoffen, dass den Versprechen auch Taten folgen und am Ende den zusätzlichen Leistungen auch Gelder folgen und diese nicht durch Rechentricks aus übergeordneten Regelungen, die vorher kein Mensch „auf dem Schirm“ hatte, einkassiert werden! Aus unserer Sicht sind noch zahlreiche Fragen zur extrabudgetären Vergütung von Corona-Leistungen (88240) und quotierten Gesprächsziffern (03230) offen. Bis zu einer Klärung mit der KV sollten Sie einen formlosen Widerspruch gegen Ihren Honorarbescheid mit dem Hinweis „betrifft Corona-Leistungen und Quotierung Gesprächsziffer bei TSVG Neu-Patienten“ und „Begründung folgt“ einlegen.

AOK HZV-Zusatzmodul Corona

Für Chroniker im AOK-Hausarztvertrag, zu denen Sie im 2. Quartal aufgrund der Corona-Pandemie keinen Kontakt hatten, also keinen Ordinationskomplex abrechnen konnten, steht im 3. und 4. Quartal eine zusätzliche Abrechnungsmöglichkeit zur Verfügung. Sie sollten hier aktiv z.B. über eine MFA ihre Patienten heraussuchen und in diesem Quartal unbedingt sehen. Dies sichert die Ordinationsgebühr und nebenbei auch den Chroniker-Status für das 3. Quartal. Dazu können Sie einen der folgenden Leistungskomplexe für 7,50 EUR einmalig im Quartal durchführen:

-  Leistungskomplex „Erweiterter Hausbesuch“ (GOP 99277)

-  Leistungskomplex „Sicherstellung Behandlungskontinuität“ (GOP 99278)

-  Leistungskomplex „COVID19-Risikocheck“ (GOP 99279)

Die komplette Leistungsbeschreibung finden Sie im KVN-Portal.

Verantwortlichkeit für Laboruntersuchungen

Auf unsere Nachfrage hat die KVN mehrfach klargestellt, dass labormedizinische Kontrollen aufgrund von verordneten Therapien in der Verantwortung des Verordners liegen. Somit sind Hausärzte nicht verantwortlich, auch wenn das den Patienten zum Teil so suggeriert wird. Ansonsten fallen der Aufwand, die Verantwortung von Wechselwirkungen und die Belastung des Laborbudgets auf uns zurück. Auf keinen Fall dürfen Sie Blanko-Laborüberweisungen mit Ihrem Stempel an andere Praxen insbesondere die Uni-Kliniken z.B. für genetische Untersuchungen weitergeben. Wer untersucht ist auch für die Diagnostik wirtschaftlich verantwortlich. Wenn Fallpauschalen in Unikliniken nicht ausreichen, müssen die Unikliniken mit den Krankenkassen nachverhandeln und dürfen diese Kosten nicht bei uns abladen.

Krankschreibung per Videosprechstunde

Wir konnten erreichen, dass die AU-Bescheinigung per Videosprechstunde nur für in der Arztpraxis bekannte Patientinnen und Patienten möglich ist und somit nicht durch anonyme Medizin-Call-Center aus Südamerika oder Indien angeboten werden kann. Dies hört sich klein an, ist aber strategisch extrem wichtig für uns Hausärzte. An unserer Forderung der telefonischen AU unabhängig von Corona für max. 7 Tage bleiben wir dran!

Kürzung Portoziffern

Die Parallelität von nicht funktionierendem eArztbrief und gleichzeitiger Begrenzung für die Kosten von Brief- und FAX-Versand inklusive Kopierkosten in Höhe von 38,88 EUR im Quartal lässt uns einmal mehr zu dem Schluss kommen, dass wir mit unseren Praxen die Zeche für die Digitalisierung im Gesundheitswesen zahlen sollen. Eine andere logische Erklärung, außer Praxisferne der Entscheider, sehen wir jedenfalls dafür im Moment nicht. Wir fordern daher von der KVN sich auf KBV-Ebene für eine Verlängerung der Erstattungsregelungen für tatsächliche Porto- und Kopierkosten einzusetzen.

Kopierkosten bei Arztwechsel nicht geregelt

In der Hausarztpraxis sind Kopierkosten bei Arztwechsel ein nicht unerheblicher Kostenfaktor (Personal, Papier, Toner). Bei einigen Patienten kommen mehr als 100 Kopien zusammen. Dieser Aufwand an Personal und Sachkosten wird durch die neuen Regelungen und ersatzlose Streichung der 40144 nicht abgebildet bzw. im Digitalisierungswahn verdrängt. Bis zu einer Regelung empfehlen wir als Verband diese Kosten den Patienten privat in Rechnung zu stellen (gemäß § 7 JVEG sind 0,50 EUR pro Seite für die ersten 50 Seiten + 0,15 EUR für jede weitere Seite möglich). Für die Erstattung sollten sich Ihre Patienten dann ggf. an ihre Krankenkasse wenden, die auf Bundesebene für diese Kürzung gesorgt hat.

Korrekturanforderung HZV-Vollversorgungsvertrag mit der Techniker Krankenkasse

In den letzten Tagen haben wir Rückmeldungen von Mitgliedern per FAX, Email und Telefon erhalten, die sich auf die Korrekturanforderungen der HÄVG zum HZV-Vollversorgungsvertrag mit der TK beziehen. Bei inhaltlichen Fragen wenden sich die Betroffenen bitte an den HZV-Kundenservice der HÄVG: 0 22 03 / 57 56 11 11.

Wir haben kein Verständnis dafür, dass die TK „ihre Digitalisierung“ nicht für Patientenversorgung und Verschlankung der Abläufe nutzt, sondern für Jahre zurückliegende Regresse bei Krankenhäusern, DMPs und HZV.

TI-Updates und Zusatzkosten

Nach unserem Kenntnisstand ist aktuell kein Update oder Neukauf von Konnektoren zwingend notwendig. Da die Zeit extrem schnelllebig ist, raten wir dazu mit dem Geldausgeben zurückhaltend zu sein und den weiteren Verlauf abzuwarten. Gültig sind nur offizielle und aktuelle Verlautbarungen der KV und nichts anderes!

Bilden Sie jetzt MFA aus!

Aktuell sind viele qualifizierte Schulabgänger noch ohne Ausbildungsstelle. Nehmen Sie diese Chance wahr, bilden Sie MFA aus und sichern Sie sich auch im eigenen Interesse die Funktionsfähigkeit Ihrer hausärztlichen Praxen für die Zukunft. Denn wie wir aus verschiedenen Landesteilen gehört haben, wandern MFA zunehmend in Kliniken, zu den Krankenkassen etc. ab. Das führt u.a. auch dazu, dass sich das Gehaltsgefüge derzeit stark verändert. Unser Rat: Ausbilden, ausbilden, ausbilden…

Rundschreiben - 10. August 2020
2020_08_08_Rundschreiben_BS.pdf
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Keine Zwangsrekrutierung von Ärzten
2020_05_29_Keine_Zwangsrekrutierung_von_
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Rundschreiben 19. Mai 2020
Rundschreiben_Mai_2020_II.pdf
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Patientenmasken
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Rundschreiben 6. Mai 2020
2020_05_06_Rundschreiben_Mai_2020.pdf
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Rundschreiben 23. März 2020
2020_03_23_aktuelles_Rundschreiben_BS_Nd
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Nähanleitung - Behelf-Mund- und Nasenschutz
Nähanleitung_Behelf_Mund_und_Nasenschutz
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Rundschreiben März 2020
2020_03_09_Rundschreiben_LV_BS_Nds.pdf
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Praxisleitfaden Coronavirus - Stand 3.03.2020
2020_03_03_Praxisleitfaden_LV_BS_Nds.pdf
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Rundschreiben Coronavirus - Stand 28.02.2020
2020_02_28_Rundschreiben_Corona_Informat
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Ärzteblatt - Drohende Honorarrückforderungen für Akupunkteure
2019_12_Ärzteblatt_Urteil_BSG_Akupunktur
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Hausärztliche Impfwoche
2019_11_22_Presse_Information_Hausärztli
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Hausärzteverbände in Niedersachsen bereiten Musterklage gegen Honorarkürzungen bei nicht Installation des TI-Konnektors vor
2019_11_13_Musterklage_TI_HAeV_alle_Haus
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Chroniker-Betreuung nach Teilkündigungen von BARMER, DAK, hkk und KKH im laufen Quartal (Q3/19) gerettet – Suche nach langfristigen Lösungen
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Teilkündigung im Bereich der Chroniker-Betreuung durch die DAK, hkk, KKH
2019_08_08_HAeV_Eilmeldung_HzV.pdf
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Chroniker-Betreuung in der HzV - Teilkündigung durch dien Barmer
2019_08_23_HÄV_Rundfax_HzV.pdf
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